Gerhard Remppis Nach den heftigen Auseinandersetzungen in unserer Stadt und im Kreis um die Frage, ob eine Schließung unseres Krankenhauses die wirtschaftlichen Probleme, sprich Defizite, lösen kann, ist seit einigen Wochen eine neue Linie in der politischen Diskussion entstanden. Zu danken ist dies dem Engagement der Bürgerinnen und Bürger in Plochingen und Umgebung für den Erhalt des Krankenhauses, aber auch einer klaren politischen Haltung des Gemeinderats und auf Kreisebene der SPD.
Wo liegen nun die neuen Ansatzpunkte?
- Es wird jetzt mehrheitlich anerkannt, dass wir Lösungen nur dann finden, wenn alle Kliniken des Kreises, bei denen die öffentliche Hand die Trägerschaft besitzt, in ein Gesamtkonzept einbezogen werden.
- Erst auf dieser Grundlage kann ein Gutachten erstellt werden, das Vorschläge für eine bessere Wirtschaftlichkeit macht.
- Dabei darf sich ein Gutachten nicht allein auf Vorschläge der Wirtschaftlichkeit beschränken, sondern muss Fragen der Patientenbindung und der Patientenzufriedenheit, der Einweisungspraxis der niedergelassenen Ärzten, der Konkurrenzsituation mit den Großkliniken in Tübingen und Stuttgart, der Personalgewinnung und der Überprüfung des Leistungsangebots an den Klinikstandorten beantworten.
- Wie das Gutachten aussehen muss, soll eine kleine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Kreistags und des Esslinger Gemeinderats ausloten. Dies wurde in beiden Gremien so beschlossen. Eine erste Sitzung hat eine grundsätzliche Übereinstimmung darüber gegeben, einen Gutachterauftrag vorzubereiten. Der Kreis geht davon aus, dass am Ende eine gemeinsame Krankenhausgesellschaft stehen könnte, die Stadt Esslingen sieht dafür aber im Augenblick noch keine Grundlagen.
Der Weg zum Ziel ist noch weit, aber eines ist sicher: Bleibt es bei der gegenwärtigen harten Konkurrenzsituation zwischen der Stadt und dem Kreis, bleiben unnötige Doppelstrukturen vor allem im Bereich der Hochleistungsmedizin, dann sind beide Seiten die Verlierer.
Was bedeutet dies alles für unser Plochinger Krankenhaus?
Wir haben erreicht, dass die Diskussion rationaler geführt wird, dass es nicht sein kann, dass ausgerechnet das Krankenhaus mit dem minimalsten Defizit (2011: 5,9 Mio Defizit aller vier Häuser) geopfert werden soll, sondern dass die Schwachstellen in allen Kliniken untersucht werden. Wir haben bewusst gemacht, dass man mit sog.Teillösungen nicht weiterkommt, sondern man ein Gesamtkonzept entwickeln muss. Es ist uns gelungen, neben guten betriebswirtschaftlichen Argumenten ein Stück direkter Demokratie zu praktizieren, denn unsere Bürgerinnen und Bürger haben sich in einer Weise solidarisiert, wie es in unserem Raum noch nicht vorgekommen ist. Das alles lässt hoffen, dass die Chancen für den Erhalt unseres Krankenhauses deutlich steigen, aber über dem Berg sind wir noch nicht. Unser Eintreten für das Plochinger Krankenhaus wird weitergehen, das sind wir den vielen hochzufriedenen Patienten, dem engagierten und leistungsfähigen Personal schuldig.
(Gerhard Remppis)