Jahresrückblick des Fraktionsvorsitzenden Joachim Hahn

Veröffentlicht am 21.12.2020 in Gemeinderatsfraktion

In der letzten Gemeinderatssitzung dieses Jahres am 15. Dezember hielt unser Fraktionsvorsitzender Dr. Joachim Hahn die Jahresschlussrede für den Gemeinderat (jährlich hält einer der Fraktionsvorsitzenden diese Rede). Diese Rede sei im folgenden wiedergegeben:

"Das Jahr 2020 geht in zwei Wochen zu Ende, ein Jahr, das sich niemand so vorgestellt hat, wie es gekommen ist. Die Pandemie hat auch bei uns in Plochingen das Leben völlig verändert und in vielen Bereichen zeitweise - beziehungsweise nun wieder verstärkt - lahmgelegt. Ich denke vor allem an unser soziales und unser kulturelles Leben. Für eine Stadt, in der eine Vielzahl von Vereinen mit hunderten von Ehrenamtlichen das Miteinander prägt, war und ist eine solche Pandemie ein ganz schlimmer und schmerzhafter Einschnitt. Es gab kaum beziehungsweise nur eingeschränkt Stadtfeste, Konzerte, Vorträge und andere Veranstaltungen.

Auch die Arbeit des Gemeinderates war von der Pandemie betroffen und wird mindestens noch mehrere Monate davon betroffen sein...     (zum weiteren Text der Rede: unten "weiterlesen" anklicken)

Nach einer Sitzungspause im Frühjahr sind wir hierher in die Stadthalle gezogen, zunächst eine für uns alle ungewohnte Umgebung. Wenn auch inzwischen manche die wenigen Vorteile schätzen gelernt haben - der eigene Tisch, an dem man sich ausbreiten kann, das eigene Mikrofon, vor allem im Sommer mehr Luft zum Atmen und anderes mehr - so denke ich: die meisten freuen sich, bis wir im Laufe des kommenden Jahres beziehungsweise hoffentlich bald wieder in die Räume des Alten Rathauses umziehen können.

Neun Monate leben wir nun mit der Pandemie. Was ich im Rückblick nun als erstes – und das im Namen des Gemeinderates – an dieser Stelle Ihnen, Herr Bürgermeister und der gesamten Verwaltung ausdrücken möchte, das ist: unser ganz herzlicher Dank und unsere Hochachtung davor, wie Sie das alles in diesen neun Monaten neben dem normalen Alltagsgeschäft so gut bewältigt haben! Von vornherein geschah dies höchst professionell, von den wöchentlichen Bekanntgaben in den Plochinger Nachrichten über die Mitteilungen in der Website der Stadt oder bei unseren Sitzungen bis hin zu den zeitweise fast täglichen Instagramm-Mitteilungen des „Neckarschultes“, wie sich unser Bürgermeister auf Instagramm nennt.

Es gab zwar Stimmen aus der Bürgerschaft, die meinten, der Verwaltung sei es in der Corona-Zeit langweilig geworden, weil die Öffnungszeiten der Ämter eingeschränkt waren oder das Kulturamt weniger Veranstaltungen zu betreuen hatte. Aber wer hinter die Kulissen geschaut und gesehen hat, wie viele Personen mit unzähligen Corona-Sonderaufgaben bis hin zur Erstellung von Hygienekonzepten beschäftigt waren, der kann nur seinen Respekt ausdrücken für alle, die bei der Bewältigung der Pandemie-Zeit in unserer Stadt mitgeholfen haben. Ganz wichtig war dabei, die Corona-Hilfe zu starten, um manchen Schaden – auch in den Vereinen – mildern zu können. Sehr gut war, dass diese Hilfe nicht nur eine finanzielle Unterstützung war, sondern beinhaltete, dass Ehrenamtliche koordiniert wurden, die Älteren und Alleinstehenden geholfen haben und helfen.

Auch während der Monate der Pandemie ging der allergrößte Teil der Normalarbeit in der Verwaltung sowieso weiter und es kamen im vergangenen Jahr noch zusätzliche Belastungen dazu. Da denke ich an mehrere Personalwechsel und dadurch nötige Umstrukturierungen. Offenbar ist ja immer wieder schwierig, gerade junge Leute längere Zeit in einer kleineren Stadt wie Plochingen zu halten. Die Verwaltung einer größeren Stadt bietet ja manche Vorteile, die Einbindung in größere Teams oder mehr Aufstiegschancen. - Wir hoffen und wünschen es jedenfalls der Verwaltung für das kommende Jahr, dass nun wieder ruhigere Zeiten kommen. Wenn wir einen Beitrag dazu leisten können, sind wir dazu gerne bereit.

Beiträge von uns könnten natürlich immer wieder sein, dass unsere Sitzungen auch für die Personen aus der Verwaltung nicht zu lange gehen, dass wir noch mehr lernen, uns auf Notwendiges in der Diskussion zu beschränken. Manchen Seufzer habe ich von Seiten der Verwaltung als Bitte in dieser Richtung verstanden.

Vieles haben wir im vergangenen Jahr auch während der Pandemiezeit im Gemeinderat diskutieren und auf den Weg bringen können. Dabei sind wir, so habe ich den Eindruck, nun ganz in den 20er-Jahren angekommen. Wir sehen deutlicher als noch vor einem Jahr, was die kommenden Jahre mit sich bringen werden. Da denke ich an das Gymnasium, für dessen Sanierung wir die Voraussetzungen geschaffen haben und die nun im Gange ist. Ich denke an die Neuaufstellung der Sozialstation. Im Blick darauf können wir sehr froh sein, wie sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier engagiert und konstruktiv eingebracht haben und wie wir unsere Entscheidung auf das Meinungsbild in der Sozialstation aufbauen konnten. Ich denke an die Einweihung des neuen Kinderhauses Johanniterpark, eine ganz wichtige Investition für die Kinder und damit die Zukunft der Stadt. Ich denke an die verabschiedete Wohnbaukonzeption 2035 oder das Verkehrskonzept MOVE, zu dem wir ja erfreulicherweise sehr viel an Rückmeldungen aus der Bürgerschaft erhalten haben. Mehrere große Bauprojekte werden gerade umgesetzt oder sind vor der Umsetzung.

Was die Bauprojekte betrifft, so wird bei diesen mehr als deutlich und das wird auch in der Region so wahrgenommen, dass Plochingen eine Stadt mit Zukunft ist und wir keine Sorge haben müssen, dass unsere Stadt künftig weniger attraktiv sein wird. Die Entscheidung, dass Plochingen für den Landkreis mit der Außenstelle des Landratsamtes ein zweites Standbein darstellt oder die Entscheidung, dass die Musikakademie hier gebaut wurde, das zeigt, dass Plochingen in der Region auch künftig eine zentrale Funktion einnehmen wird. Und so werden wir beispielsweise in den kommenden Jahren auch dringend neue Wohnungen brauchen. Zwar steht vor allem die Automobilindustrie mit ihren Zulieferbetrieben im mittleren Neckarraum vor größten Herausforderungen. Aber unsere Region ist schon mit ganz anderen strukturellen Veränderungen im vergangenen Jahrhundert zurechtgekommen. Ich bin überzeugt: wir Schwaben bekommen auch den Strukturwandel im Bereich der Autoindustrie hin und auch in Zukunft wird der mittlere Neckarraum unter Europas Industrieregionen vorne mitmischen als einer der wirtschaftlich innovativsten Ballungsräume. Diese Einstellung ist nicht arrogant gemeint, sondern resultiert aus einem gesunden Optimismus, der wiederum Grundlage ist für weiteres zielstrebiges Handeln.

Was den Blick nach Europa betrifft: im vergangenen Jahr ist leider auch der Kontakt zu unseren Partnerstädten viel zu kurz gekommen. Hier müssen wir uns aufs Neue engagieren, sobald die Pandemie zu Ende ist. Schön, dass wir für ein anderes Engagement eine neue Adresse bekommen haben, das ist der Eine-Welt-Laden. Auch er öffnet wie die Beziehungen zu den Partnerstädten den Blick „über den Tellerrand“ und die Einrichtung dieses Ladens in den vergangenen Wochen zeigt beispielhaft, zu welchen Leistungen bürgerschaftliches Engagement in unserer Stadt in kurzer Zeit fähig ist.

Im Rückblick hat die Arbeit an sehr vielen Themen im Gemeinderat große Freude gemacht und die meisten von uns haben sich für eine gute Zukunft unserer Stadt gerne eingebracht. Dass wir nach wie vor – zumindest teilweise - nicht leicht tun im Umgang miteinander, hat mich persönlich immer wieder sehr belastet und viele andere auch. Ausdruck für die Schwierigkeiten untereinander war im vergangenen Jahr unter anderem, dass wir für viele Sitzungen Redezeitbeschränkungen einführen mussten. Die meisten, die dafür votiert haben, haben dies gegen ihren Willen gemacht. Wir hoffen, dass wir bei - gutem Willen aller - darauf in absehbarer Zeit wieder verzichten können.

Hat sich die Zusammenarbeit im Gemeinderat insgesamt verbessert? Ich weiß es nicht. Bis vor den Kommunalwahlen hätte ich die Zusammenarbeit als Miteinander charakterisiert und das sollte es auch sein. Das haben wir noch nicht wieder erreicht, da ist noch viel Luft nach oben. Genauso muss weiter das Bewusstsein wachsen, dass unser Ziel sein muss, sowohl innerhalb des Gremiums wie auch im Miteinander mit der Verwaltung jedes Thema in einem konstruktiven, vertrauensvollen Miteinander anzugehen. Und dies auf der Grundlage gegenseitiger Wertschätzung. Das schließt selbstverständlich konstruktive Kritik nicht aus, jeder und jede von uns macht ja auch Fehler. Aber die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt erwarten zu Recht, dass Bürgermeister, Verwaltung und Gemeinderat zwar gelegentlich um die beste Lösung streiten, dass sie aber, wenn es darauf ankommt, bereit sind, gemeinsame Lösungen zu suchen und an einem Strang zu ziehen. So hoffen wir nun zusammen auf ein gutes neues Jahr 2021 und wünschen uns das: persönlich, in den Familien, in unserer Stadt und auch hier im Gemeinderat!            

 
 

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