100 Jahre SPD in Plochingen - 1905-2005

II. Erster Weltkrieg und Revolution

II. Erster Weltkrieg und Revolution Bis 1912 konnte die SPD ihre Verluste weitgehend wieder wettmachen. Die Niederlage von 1907 hatte aber Schwächen der Arbeiterbewegung aufgedeckt, über deren Konsequenzen man sich erst später klar wurde. Nicht nur das Bürgertum, sondern auch ein beträchtlicher Teil der potenziellen SPD-Wähler waren für die nationalsozialistische Propaganda anfällig. Zudem brachen nach 1907 auch in Württemberg die innerparteilichen Gegensätze zwischen reformistischen „Revisionisten“ (Wilhelm Keil, Hugo Lindemann) und radikalen „Revolutionären“ (Clara Zetkin, Arthur Crispien) in verschärfter Form wieder auf. Der Sarajewo-Mord und das österreichische Ultimatum an Serbien vereinten die Sozialdemokraten noch einmal zu Massenkundgebungen für den Frieden. Nach der Mobilisierung der zaristischen russischen Armee gewann aber auch in der SPD nationales Pflichtgefühl die Oberhand. Nur die württembergische Linke bleib kompromisslos bei ihrem Anti-Kriegskurs. In dem erbitterten Streit um die Kontrolle der Zeitung „Tagwacht“ kündigte sich schon Ende 1914 die Aufspaltung der deutschen Arbeiterbewegung in rivalisierende Flügel an. Bis zum November 1918 mussten nun Millionen deutscher Soldaten die verfehlte Weltmachtpolitik des Kaiserreiches mit ihrem Leben oder mit ihrer Gesundheit bezahlen. Am 16. November sprach sich eine SPD-Massenversammlung in Esslingen „grundsätzlich für die sozialistische Produktionsweise“ aus, betonte aber gleichzeitig, diese Umwandlung könne „nicht mit Gewaltmitteln vollzogen werden, auf die sich die kapitalistische Gesellschaft bisher gestützt hat“. Mit den Wahlen zur verfassungsgebenden Landesversammlung und zur Nationalversammlung im Januar 1919 sollten die Errungenschaften der Revolution abgesichert werden. Parlamentarische Demokratie, allgemeines Wahlrecht, Gewerkschaftsfreiheit, 8-Stunden-Tag und manches andere mehr. Wie überall in Württemberg, so errang die SPD auch in Plochingen einen überzeugenden Erfolg. Der Durchbruch zur politischen Verantwortung schien gelungen.

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News

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